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Kilometerstand: 1332

Nachdem die Wüste zu trocken und heiß für mich ist, beschliesse ich die Reise nach Westen fortzusetzen. Drew bringt mich irgendwo mit seinem halb zerfallenden Auto in die Wüste, an die letzte Tankstelle für Meilen und Meilen. Mein Plan ist die gute alte Schick'che Strategie anzuwenden und Menschen zu fragen, ob sie mich mitnehmen.

Tür auf, Rucksack auf den Rücken, Erster Mensch den ich sehe: "Hey glaubst du du kannst mich Richtung Las Vegas mitnehmen?" William: "Klar, da fahre ich hin." William ist sowas wie das Sahnehäubchen auf dem Cupcake eines jeden Hitchhikers. Er öffnet direkt die Kühlbox und bietet mir ein kühles Getränk an. Wir fahren durch riesige Schluchten und er erzählt mir von der Geschichte des Landes, den ersten Settlern die mit Karren aus Holz diese riesigen und harschen Landschaften durchstreiften. Seine Lebenseinstellungen sind christlich geprägt, aber unaufdringlich. "Do what you love doing and you will never work a day in your life", sagt er mir, während wir durch eine Hochebene fahren, der Regen auf die Scheibe hagelt und Blitze rings um uns jede 5 Sekunden einschlagen. Es ist magisch.

Alle die mich mitnehmen sind voller positiver Energie, immer orientiert das Gute zu verfolgen und sich nicht den Sorgen hinzugeben. Der Starke Kontrast zu diesen Lebenseinstellungen kommt schneller als ich denke. Gegen 19°°Uhr kommen wir in Downtown, Las Vegas an. Es ist wirklich eine bedrückende Atmosphäre. William bietet mir sein Auto zum übernachten an, aber seine Tochter heiratet am nächsten Morgen und wir beide sind uns einig, dass bei aller guten Menschlichkeit, ein zusätzlicher Gast, die Nerven der Braut vielleicht strapazieren würde.

Das Hostel in dem ich absteige, ist heruntergekommen und mein Blick aus dem Fenster fällt auf Leuchtreklamen und Prostituierte an der Straßenecke. Ich ziehe zum ersten Mal auf der Reise meinen versteckbaren Geldgurt an. Während ich ein paar Fotos knipse, beginnt ein Streit um Drogen und Geld auf der Straße unter mir. Lautes Geschrei und ein paar Schläge später löst er sich wieder auf. Meine Motivation Las Vegas kennenzulernen ist niedrig, nur die positiven Worte von Katrin überzeugen mich zu einer nächtlichen Foto Session auf dem "Strip".

 

 

Auf dem Weg dahin treffe ich einen Mann, der seine letzten 3 USDollar verspielen geht. Zerfallende Hotelschilder und Müll sind im Überfluss zu finden. Kein bisschen grünes Gras, nur Staub und Dreck findet sich vor den Häusern der Menschen hier. Am Strip selbst treffe ich auf Tänzerinnen die schon aufgegeben haben ein Lächeln zu fälschen. Menschen tragen riesige "Cocktail To Go" Behälter und schauen verkleideten Alkoholikern dabei zu, wie sich um jeden Preis lächerlicher machen, als der nächste Entertainer neben ihnen.

 

 

Für Amerikaner ist die Architektur hier ein Wunderwerk. Alles ist europäisch angehaucht. Wenn die schlechtesten römischen Architekten auferstanden wären und nochmal gebaut hätten, wäre wohl das Venetian entstanden: Die Statuen auf den Säulen sind lieblos und es fehlt an Detail. Der dritte Stock bietet einen falschen Himmel und einen Kanal auf dem Gondeln fahren. Die Gondelfahrer singen ihre Lieder, während die Menschen drumherum in überteuerten Boutiquen ihr hart verdientes Geld ausgeben.

 

Viele unglückliche, trostlose Gesichter sehe ich. Auf fünf Metern stehen acht Mexikaner, die wortlos auf ihre Flyer schnipsen um sie attraktiv wirken zu lassen. Die klassischen Papa, Mama, drei Kinder Konstellationen nehmen gelangweilt die Flyer für Prostituierte entgegen. 

 

Nachts wache ich im Hostelzimmer auf: Ein Mitbewohner kotzt vier Minuten im Bad. Ich schlafe wieder ein. 

 

Am nächsten Tag wird früh aufgestanden, doch Las Vegas lässt mich nicht los. Mit Bus und Fuß brauche ich an den nächsten Zubringer zwei Stunden. Nach weiteren zwei Stunden Warten, entscheide ich mich für den Fernbus ins nächste Städtschen. Ich baue mein Zelt in der Wüste hinter einem Truck-Stop auf und schlafe tiefer und sicherer als im Hostel - Ich träume von den Mammutbäumen und der Natur. 

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